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von Roger Blum

St. Maarten

Die Arena der Haie


Endlich ging es wieder los! Nur wenige Tage nach Silvester verließ ich an Bord der "Sea Princess" den Hafen von Fort Lauderdale Richtung Bahamas. Von dort ging es nach einem kurzen Aufenthalt weiter nach Tortola. Die Inseln waren unter Piraten wegen ihrer abgeschiedenen Lage geschätzt. Namen für Buchten und Inseln wie "Smugglers Cove", "Dead Chest" oder "Devil´s Bay" erinnern noch heute an die Zeit der Piraterie. Vom kleinen Dead Chest Island bei Peter Island soll der Song "Yo ho ho and a bottle of rum" stammen. Es heißt hier habe einst der berüchtigte Pirat Edward "Blackbeard" Teach ein paar Meuterer mit lediglich einer Flasche Rum als Proviant ausgesetzt.


Das Gebiet gehört zu den haireichsten Gewässern weltweit. Häufig soll man auf Ammenhaie und die eleganten Karibischen Riffhaie treffen, bisweilen aber auch auf Grundhaie und auf Tigerhaie. In der an den Shark Bay National Park angrenzenden Brewers Bay ging ich mit Maske und Schnorchel bewaffnet ins Wasser. Direkt neben mir stürzten sich Pelikane ins Wasser, um Schwarmfische zu erbeuten. Gelegentlich streiften ein paar große Tarpone vorbei, aber leider keine Haie. Dies änderte sich erst am nächsten Tag. Etwa eine Seemeile vor Phillipsburg, der Hauptstadt des niederländischen Teils von St. Maarten, ging ich Tauchen. Der Spot war karibiktypisch: leuchtende Schwämme, Stein- sowie Fächerkorallen. Braune Fassschwämme übertrafen in ihren Ausmaßen von fast einem Meter alle anderen Schwammarten bei weitem. Gleich nach dem Abtauchen zeigten sich die ersten Barrakudas. Offensichtlich wollten sie schauen, was wir Eindringlinge in "ihrem" Revier treiben. Die Halbwüchsigen streiften in kleineren Gruppen umher und die Erwachsenen standen reglos im tiefen Wasser und schauten uns mit starren Blick an. Plötzlich sah ich eine große graue Form - ein Hai! Er schwebte langsam auf mich zu. Es war ein knapp zwei Meter langer Karibischer Riffhai. Sein Anblick ließ die Barrakudas zwergenhaft zusammenschrumpfen. Der Hai schwebte in einer Korallengasse auf mich zu. In geringem Abstand, langsam und majestätisch, glitt der "König der Meere" fast ohne wahrnehmbaren Flossenschlag an mir vorbei. Ich hielt meinen Atem an, um ihn nicht zu verscheuchen. Er musterte mich. Es war das erste Mal, dass ich einen Hai so nah senkrecht von unten sah. Sein Bauch, von dem die Brustflossen wie spitze Flügel abstanden, war schneeweiß, und vorn, hinter der spitz zulaufenden Nase war das halbmondförmige Maul gezeichnet. Ein unvergesslicher Moment, der unter die Haut geht.

Kaum war der Hai verschwunden deutete ein Taucher aufgeregt nach hinten und ich sah einen weiteren, weitaus größeren Hai auf mich zukommen. Unwillkürlich fasste ich an meine Haizahn-Kette. Die Legende besagt, dass man vor einem Haibiss sicher sei, wenn man so etwas bei sich trage. Ich sah und fühlte sofort, dass diese Haie anders waren als jene, die ich schon kannte. Normalerweise sind Haie recht scheu und patrouillieren mit wachsamen Augen am Rande der Sichtgrenze. Diese Kollegen hier näherten sich ohne jegliche Scheu.

Die Erklärung für das ungewöhnliche Verhalten war bald gefunden: Auf dem sandigen Meeresboden waren halbkreisförmig Steine angeordnet. Offensichtlich werden hier regelmäßig Haifütterungen angeboten. Bei derartigen Veranstaltungen werden die Taucher angewiesen, sich am Futterplatz im Halbkreis hinzuknien. Dann wird ein sogenannter "chumsicle" - tiefgefrorene Fischabfälle in einer Futterbox - in Position gebracht. Der Köder hängt einige Meter über dem Meeresboden, fixiert durch eine Boje an der Oberfläche und einem Anker am Meersgrund. Die Haie halten Abstand, solange die Kiste geschlossen ist. Zunehmend hektisch umkreisen sie die Tonne. Sobald sie geöffnet wird, gibt es kein Halten mehr. Von allen Seiten stürzen die Haie und unzählige Kleinfische auf den angebotenen Köder zu. Die Haie verfallen augenblicklich in einen Fressrausch und beißen wild um sich. Dieses Spiel spitzt sich immer weiter zu. In wilder Hast versucht jeder etwas von der Tiefkühlkost abzubekommen. Erst wenn alles verspeist ist, verlieren die Haie das Interesse und am Futterplatz wird es wieder ruhiger, die Raubfische verschwinden nach und nach in den Weiten des Ozeans.

Einige Naturschützer wollen das Haifüttern verbieten, denn ihrer Meinung nach wird dadurch das natürliche Fress- und Jagdverhalten der Haie gestört. Andererseits ist zu berücksichtigen, dass durch Haitauchgänge die Räuber ihren schlechten Ruf verlieren und derartige Veranstaltungen damit zum Schutz der Haie beitragen.

Ein paar Taucher meiner Gruppe nahmen die Gelegenheit wahr und durchwühlten den Boden am Futterplatz, denn die Haie verlieren im Fressrausch ab und zu ein paar Zähne - ein begehrtes Souvenir für jeden Taucher! Einer wurde tatsächlich fündig.

Es war an der Zeit das Reich der Haie zu verlassen. Langsam driften wir der Wasseroberfläche entgegen. Um uns nichts als blaues Meer, über uns der sonnige Himmel. Beim zweiten Tauchgang an einer anderen Stelle traf ich nochmals auf zwei Karibische Riffhaie, die jedoch schnell verschwanden.

Ich konnte in der Nacht nicht einschlafen. Die Haie, die ich gesehen hatte, gingen mir ständig im Kopf herum. Ich verglich diesen Tag mit früheren Haibegegnungen, versuchte, mir jede Kleinigkeit in ihrem Verhalten und in ihren Bewegungen wieder in Erinnerung zu rufen, und verfluchte mich, dass ich meinen UW-Fotoapparat auf dem Schiff vergessen hatte.

Die Reise ging weiter nach St. Kitts und Nevis, St. Lucia, Barbados, St. Vincent und die Grenadinen, Trinidad und Tobago, Bonaire und Aruba. Ich unternahm zwar noch weitere herrliche Tauchgänge, u.a. mit Schildkröten, Rochen und Muränen sowie am berühmten Wrack der "Antilla" vor Aruba, doch das nachhaltigste Erlebnis blieb der Tauchgang an der Hai-Arena von St. Maarten.

(Erstveröffentlichung in "Adlershofer Flossenblätter" Ausgabe 66/2007)


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Von Silberschiffen und Piratenschätzen
Piraaaateeeeeen!!! Dieser Schrei war auf den Handelsschiffen früher gefürchteter als Stürme oder Skorbut. Um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert war die Karibik Zentrum der Seeräuberei. Auf den Inseln entstanden zahllose Festungen, Kanonenkugeln flogen, Schatzschiffe sanken, es wurde geplündert und geraubt. Es waren verrückte Jahrzehnte; Jahrzehnte, in denen all die irren Typen auftauchten, die noch heute durch Abenteuerbücher und -filme geistern: verwegene Typen mit Narben im Gesicht, ein farbiges Tuch um den Kopf, einige mit Augenklappe oder Holzbein, Papagei auf der Schulter und Entermesser im Gürtel. Wo immer ich während meiner Karibik-Rundreise im April an Land ging, hörte ich Geschichten von versunkenen Galeonen und sagenhaften Piratenschätzen... [mehr]


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