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von Steven Blum

Kenia

Walhaie vor Kenias Küste

In Kenia kann man nicht nur die größten Landtiere sehen, sondern auch die größten Fische: Walhaie (Rhincodon typus). Desöfteren werden die friedlichen Meeresriesen vor der Küste Mombasas gesichtet und so ist es nicht verwunderlich, dass am Strand organisierte Bootstouren angeboten werden. Schnorcheln mit Walhaien - was für ein Abenteuer!

Glücklicherweise macht die hautnahe Begegnung mit Haien vielen Touristen doch noch ganz schön Angst. Und der stolze Preis von 50 Euro pro Person schreckt sie zusätzlich ab, vor allem deshalb, weil der Walhai nirgendwo ein häufig auftretender Fisch ist und der Veranstalter keine Garantie übernehmen kann, dass man tatsächlich einen Walhai zu sehen bekommt. So waren wir die einzigsten Interessenten.

Unser Boot startete vom Strand in Mombasa Beach. Das Meer war ruhig und die Chancen einer Sichtung standen nicht schlecht. Da sich die bis zu 18 Meter langen und 15 Tonnen schweren Meeresriesen oft nahe der Oberfläche aufhalten, standen wir am Bug des Bootes als "Spotter" und hielten Ausschau, während der Bootsführer in Küstennähe auf und ab fuhr.

Stunden vergingen ohne Glück. Langeweile kam auf und ich hatte enttäuscht eine Begegnung schon fast abgeschrieben. Da hörte ich plötzlich die Worte: "Da hinten, ein prächtiges Exemplar." Tatsächlich! Mit geschärftem Blick konnte ich einen großen Schatten majestätisch unter der Wasseroberfläche gleiten sehen. Der Skipper nahm Kurs, doch das Glück war nur von kurzer Dauer. Während ich noch Schnorchel und Flossen suchte, verschwand der Gigant in der Tiefe, ohne dass ich es geschafft hatte, ins Wasser zu springen und ihn in seiner natürlichen Lebensumgebung beobachten zu können.

Die Suche ging weiter und schon bald konnten wir ein weiteres Exemplar ausmachen. Nun änderten wir die Taktik. Statt direkt auf den Fisch zuzufahren, verfolgten wir seine Wanderroute und erwarteten den gutmütigen Riesen mit abgestellten Motor an einem vorausberechneten Punkt. Wir brauchten nicht lange zu warten, um ihn durch die klare Wasseroberfläche mit dem dichten Muster aus gelblichweißen Flecken und vertikalen, hellen Streifen erkennen zu können. Schnell Flossen an und Tauchermaske auf (die nun schon bereit lagen) und - schwups - war ich mit einem Sprung im Wasser.


Majestätisch glitt der sanfte Riese auf mich zu. Der auffällig breite, abgeflachte Kopf mit dem endständigem Maul kam immer näher und erst hier wurde mir bewusst, wie groß der Hai eigentlich war. Unglaublich groß. Knappe 7 bis 8 Meter lang! Wie ein mächtiger Autobus schwamm er auf mich kleines Menschlein zu und ich musste ganz schön fest an die Friedfertigkeit dieses "Monsters" glauben. Für einen Moment stockte mir der Atem. Das ganze schien mir so unglaublich. Der Hai kam näher und näher und erst kurz vor mir, begann er abzutauchen. Ich musste die Beine spreizen und konnte fast die meterhohe Rückenflosse spüren, als er unter mir durchschwamm und ohne Hast in der Tiefe verschwand.

Leider beschränkte sich dieser Kontakt mit dem Tier nur auf wenige Minuten. Getreu nach dem Motto "Wo einer ist sind auch mehrere" fixierte ich die Wasseroberfläche nach weiteren Walhaien. Und ich hatte Glück. Ein etwas kleineres Exemplar von etwa vier Meter Länge wurde gesichtet. Nun war Ruhe und Vorsicht geboten. Um den Hai nicht wieder gleich zu vertreiben, glitt ich leise ins Wasser. Der Hai war neugierig. Mit nur wenigen Metern Distanz umkreiste er mich sorglos, änderte ab und zu seinen Kurs, um neugierig direkt auf mich zu zuschwimmen. Dann umkreiste er mich wieder. Ohne Scheu. Diese Begegnung dauerte sehr lange.


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