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von Roger Blum

Tauchen in der Ostsee

Verschwunden im Ostseesand –
Wracktauchen am Darß


Das Pfingstwochenende verbrachten wir an der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Dieser Teil der Ostseeküste bietet ideale Bedingungen für Strandtauchgänge. Angeblich sollen hier ca. 400 Schiffe gestrandet und etwa 100 gesunken sein. Es ist daher nicht ungewöhnlich, wenn man bereits wenige Meter von der Küste entfernt auf Teile historischer Schiffswracks stößt. Fast jeder Tauchplatz ist einfach mit dem Auto zu erreichen.

Erstes Ziel unseres Pfingstausflugs war ein östlich von Zingst liegendes Wrack, welches sich 400 m von der Küste entfernt in etwa 5 m Wassertiefe befindet. Auf Anhieb fanden wir das Skelett des alten Holzsegelschiffs. Der Schiffsrumpf ist etwa 27 m lang und in regelmäßigen Abständen ragten mannshohe Spanten aus dem Ostseegrund. Auch die Planken waren aufgrund günstiger Strömungsverhältnisse teilweise freigelegt. Schwebegarnelen und Schwimmgrundeln tanzten in der schwachen Dünung und Butterfische und Seeskorpione huschten in ihre Verstecke.


Am Nachmittag betauchten wir die „Peterson“. Das Wrack hatten wir im vergangenen Jahr nördlich von Dierhagen zum ersten Mal betaucht. Da uns der richtige Name des Schiffes nicht bekannt ist, benannten wir es nach den vielen Bierflaschen der Marke „Peterson & Jensen“, die dort an der Ziegelladung liegen. Neben Scherben von Bierflaschen befinden sich dort auch Reste von Weinflaschen zwischen der Ladung. Auch Teile des messingbeschlagenen Steuerrades sind noch vorhanden. Leider war jedoch bei diesem Tauchgang das Wrack stark versandet.




Ein weiteres Wrack wollten wir am Pfingstsonntagmorgen besuchen. Es befindet sich ca. 260 m vor Dierhagen. Das Wetter war diesig und die See rauer als am Vortag. Wir schnorchelten zur Wrackposition und tauchten ab. Es zeichnete sich ein großes hölzernes, mit Muscheln bewachsenes Wrackteil ab und erkannten, dass es sich um ein Steuerruder handelte. Viel mehr war allerdings nicht zu sehen. Lediglich die Spitzen einiger Spannten schauten noch aus dem Meeresboden heraus.



Am Steuerruder hatten zwei kleine Seehasen und ein Steinpicker ihr Zuhause gefunden.


Am Nachmittag fuhren wir dann nach Ahrenshoop. Hier liegt etwa 100 m vom Ufer entfernt das Wrack der im Jahre 1875 gestrandeten englischen Brigg „Water Nymph“. Seit mehreren Jahren ist das 27 m lange und 7 m breite Wrack fester Bestandteil unserer Ostseetouren. Normalerweise sind der Schiffsrumpf, das mit Kupferbeschlägen zusammengehaltene Steuerruder sowie die Mastreste deutlich zu erkennen. Doch heute schauten nicht einmal die oberen Enden der Spanten aus dem Meeresgrund. Das Wrack der „Water Nymph“ befand sich unter einer mindestens 1 m dicken Schicht aus Sand. Auch das direkt am Strand von Dierhagen befindliche Wrack des finnischen Dreimastschoners „Janne“ war an diesem Wochenende vollständig unter einer Sandbank verschwunden.

Die wandernden Untiefen und Sandbänke sind eines der Hauptursachen für die Häufung der Wracks an diesem Küstenabschnitt. Nicht immer sind daher die Wracks zu finden. An einem Tag sind die Wracks freigelegt und gut zu betauchen, an einem anderen Tag schauen nur einige Spanten aus dem Meeresboden und an manchen Tagen ist das Wrack sogar gänzlich unter dem Ostseesand verschwunden. Man braucht sich nicht zu wundern, wenn an einem Tag ein Wrack plötzlich auftaucht und beim nächsten Tauchgang wieder verschwunden ist. Es lohnt sich also einen Tauchplatz mehrmals zu erkunden. Überraschungen sind garantiert.


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