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Tauchen in Deutschland

Mythos Carinhall – Tauchen im Großen Döllnsee


Kaum eine Autostunde von Berlin entfernt, liegt die Schorfheide mit seinen wildreichen Waldbeständen, Seen und Mooren. Es ist das größte zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands. Die Schorfheide war bevorzugtes Jagdrevier der brandenburgischen Kurfürsten und Preußenkönige. In dieses Waldgebiet hatte sich auch der leidenschaftliche Jäger und spätere Reichsforstmeister Hermann Göring verliebt. Hier errichtete er zwischen Großen Döllnsee und Wuckersee ein pompöses Anwesen, dass er zum Andenken an seine 1931 verstorbene Frau Carin Freifrau von Kantzow (geb. Fock) den Namen „Carinhall“ gab.


Großer Döllnsee am ehemaligen Bootshaus Der Findling mit der Aufschrift Carinhall wurde 2007 beseitigt

Um Carinhall ranken sich Mythen und Legenden. Als Hitler nach Hindenburgs Tod 1934 auch die Position des Reichspräsidenten übernahm, wurde auch Göring mehr und mehr mit der Repräsentation des Dritten Reiches betraut. In dieser Funktion konnte der Reichsmarschall seine aristokratische Neigung der Selbstdarstellung ausleben. Der „Zweite Mann“ im Dritten Reich und Preußische Ministerpräsident empfing in Carinhall zahlreiche Staatsgäste und verhandelte über die Geschicke Europas. Er ließ sich auf Staatskosten und den teuersten Materialen seine Residenz errichten und häufte dort Kunstschätze aller Art. Noch im Jahre 1944 ließ Göring für seine Tochter das sogenannte „Edda-Schlösschen“, ein Nachbau des Potsdamer Schlosses Sanssouci im Maßstab von ein zu zehn errichten.

Im Luftschutzbunker Überreste Flakturm

In Carinhall waren Gemälde, Skulpturen, Teppiche und Möbel im Wert vom mehreren Hundert Millionen Reichsmark vereinigt. Zum Verbleib vieler Kunstgegenstände machte Göring doppeldeutige Äußerungen, so dass noch heute Abenteurer und Schatzsucher angelockt werden. Gerüchte über den einstigen Prunk und geheime unterirdische Anlagen voller Kunstschätze nähren den Mythos Carinhall. 1945 sollen sich Teile der Wachmannschaften ihren Teil vom Kunstschatz gesichert und in der Umgebung verscharrt haben. Auch Görings Weinkeller ist angeblich noch vorhanden. Bei seiner Flucht hatte er zwar die wertvollsten Kunstschätze abtransportieren lassen, aber eben nur die Wertvollsten.

Carinhall wurde gesprengt. Über 50 Jahre blieb das Gebiet für die Öffentlichkeit gesperrt und wurde nach und nach von der Natur überwuchert. Erst seit den 1990er Jahren war es wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Man sieht heute nur noch zwei Torwärterhäuser mit den Insignien des Reichsmarschalls, den gekreuzten Marschallstäben, am Anfang der Kastanienalle, moosbedeckte Fundamentreste des Waldhofes und der Nebenbauten, der Springbrunnen und Teile des Bunkers. Anhand des abgesenkten Bodens und der Vegetation ist unweit des Wuckersees auch noch der einstige Standort der Gruft von Carin Göring zu erahnen.

Am Torhäuschen noch gut zu erkennen: Die Marschallstäbe Kastanienallee

Die Überreste von Carinhall ziehen Schatzsucher an, die den Boden und den Grund des Großen Döllnsees sowie des Wuckersees akribisch durchwühlten. Spätestens seit Polizeitaucher im Jahre 1990 fünf unbeschädigte Bronzestatuen aus dem Großen Döllnsee geborgen haben, steht der See ganz oben auf der Schatztaucherliste. Es handelte sich um drei lebensgroße Statuen des Bildhauers Arno Breker („Schreitende“, „Eos“ und „Anmut“) sowie die Statue „Mädchen mit Hirschkuh“ von Hans Krückeberg sowie einen Bronzeabguss der „Venus von Medici“. Ein Jahr später fand eine Gruppe Schatzsucher eine der beiden Säulen aus rotem Veroneser Marmor, die einst den Eingang des Festsaales im Erdgeschoss des Waldhofes geziert hatten. Auch Überreste von Göring Modelleisenbahn wurden geborgen. Wie heißt es schön: Es ist nie alles weg...

Breker-Statue Schreitende

Breker-Statue Anmut

Breker-Statue Eos

Bronzestatuen von Arno Breker: Schreitende, Anmut und Eos

Aber auch ohne den großen Fund ist der Große Döllnsee ein interessantes Tauchgewässer. Der Flachwasserbereich bis 4 m ist dicht mit Wasserpflanzen bewachsen, in denen Rotfedern (Scardinius erythrophthalmus), Plötzen (Rutilus rutilus) und Flussbarsche (Perca fluviatilis) umher schwimmen. Auffällig ist die Krebsschere (Stratiotes aloides; alt: Str. potamios, Str. aquatica, Militaris aizoides, Sedum aquatile, Aloe palustris), eine Wasserpflanzenart aus der Familie der Froschbissgewächse. Sie wird auch als Wasseraloe bezeichnet, denn die Wuchsform erinnert ein wenig an Aloepflanzen. Schön anzusehen ist auch der Blick auf die Gelben Teichrosen (Nuphar lutea, Syn.: Nuphar luteum), auch Gelbe Teichmummel genannt.




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